Free your mind – and your stuff!

Ein Thema, mit dem ich mich seit einigen Monaten beschäftige und ich auch schon im vorherigen Beitrag angeschnitten habe, ist das Ausmisten bzw. Entrümpeln – anders gesagt Minimalismus.

Es kommt mir so vor, als wäre das (An-) Sammeln von (Wert-?) Gegenständen, Kleidung, Kosmetik, Krimskrams, Dokumenten, Schuhen usw. ein wichtiges Statussymbol der Gesellschaft. Go big or go home.

Ich habe für mich jedoch vor ein paar Monaten entschieden, dass ich das nicht mehr will. Ich will mobiler sein, mit weniger auskommen, ich will Dinge intensiv nutzen und nicht nur dafür gekauft haben, um sie im Regal oder Kleiderschrank verstauben zu lassen.

Meine klassischen Ausreden (bisher)

  • „Wenn Kleidung nicht mehr passt, wird sie aufgehoben, sie könnte ja wieder mal passen!“
  • „Alte Dokumente werden nicht entsorgt, was ist wenn ich den Lohnzettel von 2010 mal brauche? „.
  • „Nein, diesen Lolli kann ich nicht wegwerfen, den hab ich mir in Dublin an St. Patrick’s day zu Schulzeiten gekauft und der erinnert mich an die damalige Zeit!“ (true story.)

Diese und viele mehr Ausreden ließen das ungute Gefühl, dass meine Schränke langsam aus allen Nähten platzen, wieder zurück in das Hinterstübchen meiner Gedanken wandern.

Neujahrsvorsätze

Ich begann Anfang des Jahres, mir einige Neujahrsvorsätze zu überlegen. Bisher habe ich so etwas nicht wirklich praktiziert, aber ich wollte es mal ausprobieren.
Einer dieser Vorsätze war, einmal im Monat auszumisten. Ich wollte nicht, dass das eine einmalige Aktion ist und ich dann eventuell bereue, etwas zu voreilig weggegeben zu haben.

Ich habe mir eine grobe Liste gemacht, was ich denn alles ausmisten wollte:

  • Dokumente
  • Makeup/Kosmetik
  • Kleidung
  • Küche

Wie fange ich nur an?

Wenn man sich vornimmt, etwas wegzugeben, dann sieht man erst, was man hat.

Ich hatte locker zehn Paar Schuhe, die ich eine ganze Saison lang nicht getragen habe. Das war für mich das „Go!“ zum Verschenken. Ich habe darüber nachgedacht, wann ich sie zuletzt getragen habe, ob sie gemütlich sind und ob sie noch zum heutigen Ich passen. Lila/weiße Peeptoe-Wedges? Goodbye my darlings! Ich hab euch 2009 in Málaga gekauft und seitdem scharfe drei Mal angehabt.

Genau so erging es mir mit Kleidung – habe ich im letzten halben Jahr (freiwillig) zu einem Kleidungsstück gegriffen oder blieb es im Schrank hängen? Knallpinkes Kartoffelsack-Kleid von H&M in Rollo-Optik – ich habe heute leider keinen Kleiderhaken für dich.

Der erste Schritt ist der schwierigste.

Wenn man erst mal Blut geleckt hat, macht es – zumindest mir – Spaß, denn mit jedem Kleidungsstück, jedem Gegenstand den man verschenkt, verkauft oder entsorgt, fühlt man sich befreiter.

Bei einigen Stücken mache ich es so, dass sie vorsortiert werden. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie noch will (sollte eigentlich schon genug aussagen;), aber ich warte noch 1-2 Monate ab, ob es doch noch von Nutzen für mich ist. Meistens kann man sich aufgrund von Erinnerungen nicht trennen, verinnerlicht man aber für sich selbst, dass Erinnerungen im Herzen und nicht in Gegenständen getragen werden, lässt man viel leichter davon los.

Wohin damit?

Da ich so schnell wie möglich alles weg haben wollte, habe ich einen Großteil der Sachen (vorwiegend Kleidung und Schuhe) an Freunde verschenkt. Hatte ich im direkten Umfeld niemanden, der meine Dinge wollte, habe ich die Sachen auf http://getfrom.me/ schnell und unkompliziert in einem Schritt fotografiert und reingestellt. Den Link teile ich nur mit Freunden (zB auf Facebook). Natürlich kann man auch einen Wunschpreis angeben.

Habe ich wertvollere Dinge, für die ich gerne ein wenig Geld hätte, nehme ich immer wieder http://willhaben.at. Dort habe ich schon so ziemlich alles verkauft – sei es Schmuck, (unbenutzte) Kosmetik oder Markenkleidung.

Eine weitere Möglichkeit, schnell Dinge kostenlos loszuwerden, sind „Free your stuff“ Gruppen auf Facebook. Bisher hatte ich hier nur positive Erfahrungen und die Sachen wurden rasch abgeholt.

Auf http://caritas.at bzw. http://caritas.de kann man sich über die Möglichkeit von Sachspenden bzw. Abgabestellen dafür informieren.

Zu guter letzt darf natürlich der Flohmarkt nicht fehlen. Auf http://flohmarkt.at/ bzw. http://flohmarkt.de/ gibt es Flohmarktkalender, damit man die Flohmärkte in seiner Nähe finden kann. Vor ein paar Jahren, als ich den Keller entrümpelt habe, stellte ich ein paar Mal auf Flohmärkten aus und die Ausbeute war wirklich nicht zu unterschätzen!

Bei allem kommt es für den Wiederverkaufswert natürlich auf den Zustand des Gegenstands an. Wenn man zu sehr an Dingen hängt, sollte man den Flohmarkt eher meiden, da man wirklich extrem runtergehandelt werden kann. Immer das Mantra im Fokus behalten: Weg ist weg! 😉

Platz für Neues?

Nicht nur das Minimalisieren meines Besitzes hat mich in letzter Zeit beschäftigt, auch zukünftige Käufe mittlerweile werden (bis auf Ausnahmen) vorher mindestens eine Woche überlegt. Meistens schreibe ich mir die eine „Wunschliste“ in meine Handynotizen.

Ich hab vor ein paar Monaten wunderschöne matte Lipcreams bei Douglas entdeckt. Mein altes Ich hat sich in meinen Kopf schon fast durchgesetzt: „Da gibt es Sets mit allen Farben! Sind eigentlich alle schön, nimm dir doch das Set, das kommt dir günstiger!“ Ich muss gestehen, zwei Farben habe ich mir gekauft – und im Endeffekt greife ich nach wie vor zu meinen „altbewährten“ Lippenprodukten und selten zu diesen Lipcreams.

Seitdem mache ich es eigentlich immer so, in den meisten Fällen lässt das „willhaben!“-Gefühl ziemlich schnell nach, was vor allem auch meinen Kontostand freut, und ich fühl mich jedes Mal von mir selbst überlistet. 😀

Tipps

Hier eine knackige Zusammenfassung bzw. Fragestellungen, die es einem vereinfachen können, loszulassen:

  • Erinnerungen werden im Herzen, nicht in Gegenständen getragen – du brauchst Gegenstände nicht als Erinnerung!
  • Greifst du freiwillig zu bestimmten Kleidungsstücken? Wenn du dir selten getragene Kleidungsstücke zum Anziehen aus dem Schrank legst, nimmst du sie dann oder denkst du „nein, heute eher nicht!“?
  • Hast du etwas schon ein halbes, wenn nicht sogar ein ganzes Jahr weder getragen noch benutzt oder beachtet?
  • Lege Listen an, welche „Themebereiche“ du entrümpeln möchtest (zB Kosmetik, Kleidung, Keller, Krimskrams)!
  • Wenn du dich von bestimmten Stücken (noch) nicht trennen kannst, tu’s nicht! Je fortgeschrittener man beim Entrümpeln ist, desto leichter geht es von der Hand. 🙂
  • Sortiere Gegenstände/Kleidung, bei deren du dir nicht sicher bist vor, damit du ein bisschen Zeit zum Überdenken hast. Greifst du in dieser Zeit nicht dazu, weg damit!
  • Hast du wirklich viel ausgemistet, das noch in gutem Zustand ist, und keine Freunde wollen deine tollen Sachen? Es gibt genug Möglichkeiten online, als auch im analogen Leben, um sie loszuwerden. Sei ein Held oder eine Heldin und spende sie! 🙂

Wie sieht es bei euch aus – habt ihr eine Frühjahrsentrümpelung schon hinter euch oder noch eine geplant? Ich kann es euch wirklich wärmstens ans Herz legen, auch wenn ihr klein anfängt, ihr werdet euch dann vermutlich nicht mehr losreißen können.

Euer Donkey 🙂

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